Hintergrundwissen


Lebenszyklusdenken


In den vergangenen vierzig Jahren hat sich das ökologische Design weiterentwickelt. Ging es zunächst vor allem darum, Abfälle und Schadstoffe bei der Produktion zu vermeiden, zielen Ecodesign-Strategien heute darauf ab, schädliche Auswirkungen auf die Umwelt über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes zu vermeiden – von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung und Verteilung, den Gebrauch und schließlich die Weiter-/Wiederverwendung oder Entsorgung.

Gebrauchswert und Symbolfunktion


Neben der Betrachtung von Umweltaspekten geht es dabei verstärkt auch um die sozioökonomischen Auswirkungen eines Produktes. Erkenntnisse der Konsumsoziologie und der Designwissenschaft haben gezeigt, dass eine rein technische Betrachtungsweise von Produkten und Systemen nicht ausreicht. Soziale, ästhetische und symbolische Funktionen von Design wirken sich auf unser Konsumverhalten und die Nutzungsdauer von Produkten häufig stärker aus als der reine Gebrauchswert eines Produktes.

Bereits in der 1992 in Rio verabschiedeten Agenda 21 wurde die Veränderung der Konsumgewohnheiten als eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung benannt. Beim Ecodesign kann es deshalb nicht nur darum gehen, auf der materiellen und technischen Seite Veränderungen zu bewirken, die zu einer Entlastung der Umwelt beitragen, vielmehr müssen individuelle Werthaltungen, Lebensentwürfe und kulturelle Praktiken Berücksichtigung finden. Ecodesign sollte nicht allein produktorientiert sein, sondern systemorientiert, es sollte Abläufe und Prozesse formen, nicht nur Dinge und die Mensch-Objektbeziehungen in den Blick nehmen, nicht nur die Objekte.

Design erzeugt zum einen materielle Realität, zum anderen erfüllt es eine kommunikative und identitätsstiftende Funktion. Es prägt unsere Alltagskultur und wirkt sich auf sämtliche Bereiche sozialer Praxis aus. Unsere Identität, sowohl die individuelle als auch die kollektive, wird in hohem Maße über die Dinge definiert, mit denen wir uns umgeben. Beides, der Gebrauchswert und die Zeichen-/Symbolfunktion von Produkten, wird durch das Design maßgeblich beeinflusst.

Soziale, ökonomische und ökologische Aspekte


Der Designprozess ist ein komplexer Vorgang, der zwischen technischen, ästhetischen, ökonomischen, sozialen und ökologischen Zusammenhängen vermittelt. Dabei kann die Gewichtung unterschiedlich ausfallen, je nachdem ob technische Parameter, ästhetischer Anspruch, ökonomische Maßgaben oder die soziale und ökologische Wirksamkeit im Vordergrund stehen. Das ökologische Design setzt den Schwerpunkt auf die letztgenannte Kategorie, ohne die anderen zu vernachlässigen.

Entscheidend für einen nachhaltigen Gestaltungsansatz ist, dass die Konsequenzen mitgedacht werden und soziale, ökonomische und ökologische Aspekte vorausschauend berücksichtigt werden. Es gilt, nicht nur zu betrachten, welche Umweltauswirkungen Produktionsprozesse und Produkte haben, nicht nur zu diskutieren, welche Ressourcen an Energie und Material ein Produkt während seines Lebenszyklus verbraucht, sondern auch, welche gesellschaftlichen Auswirkungen ein Entwurf hat – unabhängig davon, ob dieser zu einem materiellen oder immateriellen Erzeugnis führt.

Gefragt sind im Designprozess generell nicht nur technisches Können und ästhetisches Empfinden, sondern auch systemisch-strukturelles Denken, die Fähigkeit, ein Produkt innerhalb eines Systems zu sehen, seine Auswirkungen auf die Umwelt wie auch die komplexen Zusammenhänge sozialer Praxis zu antizipieren. Dies gilt für einen Gestaltungsprozess, der Nachhaltigkeit als Maßgabe hat, umso mehr.

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